Aus. Aus. Der Traum ist aus. Kein Weltmeister im eigenen Land, kein Sommermärchen 2.0. Dabei hatte es gerade angefangen, richtig Spaß zu machen. Ein spannendes und schönes Spiel gegen Frankreich, Jubel beim verdienten Sieg, WM-Stimmung, die ansteckte. Mexiko und das Halbfinal-Ausscheiden unserer U17-Jungs war vergessen.
Und auch das Public Viewing kam in Fahrt: Beim Viertelfinale gegen Japan saß ich mit bekennenden Nicht-Fußball-Sehern und bekennenden Nicht-Frauenfußball-Sehern vor dem Bildschirm. Wir alle bangten, hofften, freuten uns bei guten Torchancen, schimpften über die vergebenen, zitterten und feuerten die Mädels an. Das 0:1 aus deutscher Sicht wurde abgetan als temporärer Zwischenstand, und auch das Kind, das unwissend gewagt hatte, beim japanischen Tor zu feiern, sah seinen Fehler schnell ein. Und dann das: kein Elfmeterschießen, kein Zittersieg. Und geregnet hat es auch. Von wegen Sommermärchen - nein, so hatten wir nicht gewettet.
War es der mediale Hype, der die Mannschaft zu sehr unter Druck setzte? Die Erwartungshaltung, die WM im eigenen Land reißen zu müssen? Erste Stimmen kritisieren auch die im Vorfeld so hochgelobte Trainerin: Silvia Neid habe es nicht geschafft, der Mannschaft eine Struktur zu geben.
Noch läuft die WM, für ein erstes Fazit mag es zu früh sein. Und doch: immerhin haben mehr als 15 Millionen Fernsehzuschauer jedes deutsche WM-Spiel verfolgt. Die Stadien waren ausverkauft, die Fans standen hinter ihrer Mannschaft. Der Frauenfußball hat eine Bühne – und einige Gesichter bekommen bei dieser WM. Und Fußball-Machos zum Jubeln und Trauern gebracht.
Uli Stamm
Frauenfußball stehe ich zugegebener Maßen eher skeptisch gegenüber. Meiner Meinung nach gibt es weit ästhetischere Sportarten für Frauen als Fußball. Dennoch bin ich inzwischen Fan eines Frauenfußballteams geworden!
Meine Mannschaft spielt fernab von jeglichen Stadien. Sie ist nicht ausgestattet wie die Teams, die wir momentan im Fernsehen sehen, von einer Weltmeisterschaft im Frauenfußball hat sie wohl auch noch nie gehört.
Das Team, das ich neulich im Fernsehen bestaunt habe, spielt auf trockener Erde, die Tore bestehen aus Metallrohren ohne Netz – und der Ort des Spiels liegt auf einer Höhe von 3 850 Metern in den peruanischen Anden. Die Spielerinnen des Dorfs Churubamba tragen traditionelle, farbenfrohe Kleider, ihre langen Zöpfe wehen im Wind, während sie hinter dem Ball herstürmen. Ihre Füße stecken in einfachen Sandalen. Gespielt wird mit vollem Körpereinsatz und es kommt nicht selten vor, dass ein Knäuel aus Kleidern und Leibern samt Ball ins Tor rollt.
Die Frauen spielen mit einer Begeisterung, die den westlichen Zuschauer staunend vor dem Bildschirm sitzen lässt. Sie kicken sehr unkonventionell, aber gerade deshalb macht es besonderen Spaß zuzuschauen. Auch die Fangemeinde kann sich sehen lassen: Männer sitzen am Spielfeldrand und feuern ihre Frauen an, sind ihre größten Fans. Und das schönste: Während die Kinderbetreuung in Peru sonst eher der Frau unterliegt, übernimmt dies für die Spielzeit der Mann.
Auch der Rest des Dorfes darf bei den Spielen nicht fehlen: Vom Kleinkind bis zum Erwachsenen schauen alle zu, mit Blumenstrauß in der Hand und Schaf auf dem Schoss. Das Spiel dieser peruanischen Frauen hat mich tief beeindruckt, ihr Einsatz, ihre Leistungsbereitschaft, ihre Freude. Aus unserer westlichen Sicht spielen sie unter primitivsten Bedingungen, aber ich bin begeistert von dieser Mannschaft!
Julia Hanauer, Praktikantin Online-Redaktion
Zugegeben: So richtig hat mich das Fußballfieber noch nicht gepackt. Als Bundesliga-Nichtgucker-und-Länderspiele-Tollfinderin weiß ich auch, was mir fehlt: Die Emotionen. Geschaffen durch eine echte Hymne, einen Partysong zum Mitsingen und Mitfiebern - einfache Melodie, noch einfacherer Text - und vor allem laut. Mein Lieblingsfussball-Song: “Three Lions (Football’s Coming Home)” (ich weiß, dass die Engländer den gesungen haben, aber das ist einer Nur-Länderspiele-Tollfinderin ehrlich gesagt egal). Ok, “Fußball ist unser Leben” ist auch nicht schlecht. Und bei den Sportsfreunden hab ich natürlich auch mitgegrölt. Doch was ist mit den Hymnen zur Frauen-Fußball-WM?
Über die Hälfte aller Partien wurden bereits gespielt - und trotzdem ratlose Gesichter, wenn ich nach dem WM-Song 2011 frage. Gibt es da einen? Ja, es gibt welche, von der Fifa, vom DFB, vom ZDF, von der ARD - und sogar das Maskottchen Karla Kick (bescheuerter geht es auch nicht mehr) hat einen eigenen Song. Hören wir doch einfach mal rein!
Der offizielle Fifa-Song: Wer ist Alexis Jordan?
Der offizielle WM-Song kommt von einem unbekannten US-Castingsternchen: Alexis Jordan. Die hat weder von Fußball noch von Musik Ahnung und produziert ziemlich austauschbaren Popschrott. “Happiness” erzeugt das gleichnamige Lied wohl kaum. Hymnen-Potential gleich null.
Das DFB-Lied: Wenigstens der Text passt
Auch wenn sich mir bei der Anrede “Sister” die Nackenhaare aufstellen (die Zeiten, in denen Frauen sich “Schwestern” nannten, sind einfach vorbei), ist Marta Jandovás “Sister, hit the goal!” wirklich ganz passabel. Textlich okay, einigermaßen fankurvenkompatibel - aber einfach zu brav. Könnte mit ein bisschen good will aber noch zur Hymne werden!
Der Maskottchen-Song: Schalala ist besser
Lächerlich genug, dass Maskottchen Karla Kick (angeblich ein Kätzchen, sieht aber eher aus wie ein Eichhörnchen auf Koks) einen eigenen Song hat. Noch lächerlicher, dass es nicht für mehr als banalen Dance-House-Mist gereicht hat. Gesungen von Sean Kingston (ja, das ist der, den niemand kannte bevor er vor ein paar Wochen mit den Jetski gegen einen Brückenpfeiler gerast ist). Fazit: Schalala ist musikalisch anspruchvoller.
Der ZDF-Schlager: Discotauglich
Wer war nochmal Melanie C? Achja, Sporty Spice, bei den Spice Girls vor allem fürs Tanzen zuständig. Und das kann sie auch. Mit dem Singen ist das aber so eine Sache bei Sporty Spice. Das Lied groovt auf jeden Fall und könnte auch in jeder Großraumdisko der Renner werden - aber im Stadion? Ohne mich. Fazit: Da hat das ZDF daneben gegriffen.
Die ARD-Hymne: Was ist daran “fucking perfect”?
Ich mag Pink. Und ich mag das Lied “Fuckin Perfect”. Was das jetzt aber mit der Frauen-WM zu tun haben soll, ist mir rätselhaft. Textlich einfach total unpassend. Fazit: Nettes Lied zum Bierholen.
Sommermädchen-Song: Hymne der Herzen
Ihr kennt die Sommermädchen nicht? Emily und Carla Feuerstein, Lissi Pott und Annika Girulat kommen aus Bochum, studieren dort (keinen Sport) und haben meine neue WM-Hymne 2011 aufgenommen: “Wir werden wieder Weltmeisterin”. Ja, ich habe feministische Sprachwissenschaft studiert. Und ja, ich verabscheue das Generische Maskulinum. Und ja, ich liebe Kinderkassetten mit ähnlich debilen Melodien. Darum ist “Wir werden wieder Weltmeisterin” für mich der einzige WM-Song mit Mitgröl- und Hymnenpotential. Gefällt mir!
Sabine Wienrich, Online-Redakteurin
Jaaaa!!! Wir haben es geschafft! Deutschland steht im WM-Halbfinale!!!! Und was war das für ein Spiel beim Spiel aller Spiele, der Mutter aller Fußballbegegnungen: Deutschland schlägt England 3:2!
Jubel, Drama, Bangen, Zittern – und am Ende dann den verdienten Sieg gerettet. Seit gestern bin ich im WM-Fieber! Allerdings findet meine Fußballweltmeisterschaft gerade in Mexiko statt, wo die deutschen U17-Jungs am Montag durch den Sieg gegen England ins Halbfinale eingezogen sind.
Der Frauenfußball und ich, wir sind dagegen noch nicht so richtig warm geworden. Ganz rund läuft es hierzulande ja auch noch nicht: Ein netter Auftakt unserer Mädels gegen Kanada, ein Grottenkick gegen Nigeria, ein paar merkwürdige Schiedsrichterentscheidungen. Ich drücke den Damen heute Abend trotzdem die Daumen. Aber wenn es mit dem deutschen Sommermärchen nicht klappen sollte, kann man ja immer noch auf ein mexikanisches hoffen…
Uli Stamm, Online-Redakteurin
Grandiose technische Leistungen, Gänsehaut-Feeling in ausverkauften Stadien und Quotenrekorde bei der Übertragung – all das rückt immer mehr in den Hintergrund, weil der Ärger um die katastrophale Arbeit der Schiedsrichterinnen von Spiel zu Spiel wächst.
Die WM im eigenen Land könnte so ein schönes neues Sommermärchen werden, wenn die „professionellen Pfeifen“ nicht in nahezu jeder Partie für kleinere und leider viel zu oft auch größere Skandale sorgen würden.
Den Anfang vom Ende machte bereits die Koreanerin Sung-Mia Cha beim Spiel unserer Deutschen Elf gegen die Brutalo-Kickerinnen aus Nigeria. 90 Minuten lang konnte sie sich nicht zwischen penibler Kleinlichkeit und gleich zwei zugedrückten Augen entscheiden. Die brutalen Fouls der Nigerianerinnen und die Tatsache, dass kaum eine deutsche Spielerin am Ende ohne Verletzungen vom Platz ging, tat sie als „gesunde Härte“ ab. Dass Schiri Cha vor Beginn des Turniers wohl besser noch einmal das Regelwerk studiert hätte, merkte nicht nur ich, sondern auch der sonst so gut gelaunte ARD-Kommentator nicht minder genervt und angesäuert.
US-Kollegin Kari Seitz konnte das Ruder im Spiel Brasilien gegen Norwegen alles andere als herumreißen. Dass auch für einen brasilianischen Superstar das übliche Regelwerk gilt, schien ihr ziemlich egal zu sein, als sie einfach zusah, wie Marta ihre Gegenspielerin niedermähte und im Anschluss das 1:0 schoss.
Einer der denkwürdigsten Augenblicke dieser Weltmeisterschaft ist für mich allerdings der monumentale Blackout der ungarischen Pfeife Gyoengyi Gaal in der Partie Australien gegen Äquatorial-Guinea. Gaal war wohl die Einzige, die den klarsten aller klaren Elfmeter nicht sah. – Aber dass eine Feldspielerin das Leder mehrere Sekunden lang im Strafraum in den Händen hält, kann man als Schiri ja durchaus mal übersehen. Davon, dass in dieser Situation auch die Assistentin an der Seitenlinie ihren Beruf verfehlt zu haben schien, einmal ganz abgesehen.
Svenja Graf, Mitarbeiterin Online-Redaktion
Auch wenn Tainer Kwang Min Kim die Niederlage gegen die USA bedauert. Die nordkoreanischen Spielerinnen haben wirklich Glück gehabt. So ein Blitzeinschlag kurz vor der Fußball-WM hätte auch folgenreicher sein können. So wurde ein Jurastudent namens Martin Luther im Jahre 1505 ebenfalls von einem Blitz getroffen und schon war’s vorbei mit der Anwaltskarriere. Er verbrachte sein Leben fortan abgeschottet in einem Kloster als Mönch und anschließende Kampf zwischen Katholiken und Protestanten dauerte kriegerische 30 Jahre.
Die Nordkoreaner leben in keinem Kloster, vom Rest der Welt abgeschnitten ist das Land aber trotzdem. Anders als bei Luther jedoch nicht aus christlicher Nächstenliebe. Im Gegenteil: Die nordkoreanische Regierung kündigte gestern einen „gnadenlosen, heiligen Vergeltungskrieg“ gegen Südkorea an. Zum Glück geht es bei der WM aber um die Ersatzreligion Fußball und nicht um Politik von gestern.
Lammfromm gaben sich dementsprechend die Spielerinnen Nordkoreas vor allem bei Gegentreffer Nummer zwei, der von Rachel Buehler nach unglaublichem Strafraum-Geholze schließlich ins Netz von Torhüterin Song landete. Auf Blitz folgt eben bekanntlich der Donner. Wie vom selbigen gerührt standen die koreanischen Damen den Rest der zweiten Halbzeit auf dem Platz und ergaben sich ihrem statistischen Schicksal (Fünf Spiele gegen die USA und kein Sieg dabei).
Ein taktischer Fehler wurde zudem begangen. Mit zwei Spielerlinnen, die Hwa mit Nachnamen heißen, hätte man für ordentlich Verwirrung im Spiel der US-Girls sorgen können. Beim Sammelbild-Hersteller Panini hatte diese Strategie bereits funktioniert. Panini hatte bei seinen Einklebebildern zur Frauen-WM dieselbe Spielerin Kim Kyong Hwa zweimal abgedruckt. Kann ja mal passieren. Panini gab zu Protokoll, dass die Spielerinnen aus Nordkorea ohnehin recht ähnlich aussehen würden. Inzwischen ist Jon Myong Hwa auf den Sammelbildchen zu sehen. Auf dem Platz gegen die USA war sie jedoch nicht.
Manche User auf Facebook gingen gestern noch einen Schritt weiter und erklärten: „Irgendwie sieht die ganze nordkoreanische Frauenmannschaft der nordkoreanischen Männermannschaft zum Verwechseln ähnlich…“ Vielleicht habe ja der böse Blitz die Frisuren der Fußball-Damen auf gleiche Länge gestutzt. Bleibt nur zu hoffen, dass die Nordkoreanerinnen nicht zu Blitzableitern der Mannschaften aus Kolumbien und Schweden werden. Sonst geht es ganz schnell heim und in der Hauptstadt Pjöngyang werden im Juli weiterhin schwere Gewitter angesagt.
Sebastian Brauns, Mitarbeiter Online-Redaktion
Zur Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Deutschland macht sich auch die Redaktion ihre Gedanken. Lesen Sie heute, warum Online-Chef Martin Utz fest an die Nordkoreanerin Kim Chung Sim glaubt:
Es war die Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien, als ich mich das letzte Mal dem Fußball so sehr verbunden fühlte, dass fast mein gesamtes Taschengeld für Panini-Klebebildchen draufging. Jetzt habe ich wieder zugeschlagen und zwei Päckchen à sechs Stück gekauft - und das aus Anlass der Frauen-Fußball-WM.
Daraus abzuleiten, ich wäre ein Fan dieses Turniers, des Sports oder gar der Spielerinnen, wäre dann doch arg großzügig interpretiert. Wir brauchten in der Online-Redaktion die Klebebildchen zu Illustrationszwecken. Aber ich konnte testen, ob sich vielleicht nicht doch ein ähnliches Hochgefühl einstellen würde wie damals, als ich mit elf Jahren vom Fußballfieber gepackt worden war. Und diesmal? Absolute Fehlanzeige.
Die erste Enttäuschung war der Supermarkt meines Vertrauens, in dem ich die Panini-Schachteln an der Kasse auch nicht entdeckte, als ich auf Steppke-Augenhöhe niederkniete. Zum Sammeln lag dort nur irgendetwas rosafarbenes a la Lillifee oder Yu-Gi-Oh und anderer Fantasie-Kram aus japanischen Zeichnerhirnen.
Aber die Kassiererin, deren Figur mich an eine rustikale Libero (oder Libera?) einer Frauen-Kreisklassen-Mannschaft erinnerte, kramte nach kurzer Bedenkzeit auf Nachfrage doch noch eine Schachtel hervor. 60 Cent das Paket Bildchen - ich schlug zu. Die insgesamt 1,20 Euro taten trotz heute deutlich besserer Einkommensverhältnisse als zu Kindheitstagen weh. Schließlich hätte man dafür auch ein Eis mittlerer Preiskategorie erwerben können. Und ich wusste genau, dass ich aus den beiden Päckchen weder einen Messi noch einen Rooney oder Özil holen würde. Nicht einmal einen Mertesacker. Unbekannte Frauengesichter starrten mir stattdessen entgegen. Die Kanadierin Erin McLeod, die aussieht, als würde sie in American Pie, Teil 7 mitspielen. Oder Clare Polkinghome aus Australien - der Name klingt doch eher nach Hausmädchen in einem britischen Landschloss. King Chung Sim dagegen war mit ihrem grauen Gesicht vor grauem Hintergrund so farblos, wie man sich Nordkorea ebenso vorstellt. Kurzum: Meine Klebebildchen-Ära ist endgültig vorbei. Ich würde übrigens auch keine mehr bei einer Männer-WM kaufen.
Ich werde Kim, Clare, Erin und all die anderen trotzdem behalten. Könnte ja sein, dass ich irgendeines von diesen Bildchen habe, das es nur gaaaaanz selten gibt. Das tausche ich dann gegen Rudi Völler. Der fehlt mir nämlich im Sammalalbum zur WM 90.
Die Erde ist eine Scheibe und Fußball ist ein Männersport. Das muss eine Legende sein. Denn den Weltmeister-Titel zweimal in Folge zu holen - das hat bisher nur die Frauen-Nationalmannschaft geschafft. Still und leise. Ohne große Scheinwerfer 2003 und 2007.
Mit der Weltmeisterschaft im eigenen Land soll das anders werden. Aus den Fußballerinnen sollen Rampensäue werden. Dabei geht es allerdings weniger um ihr fußballerisches Können. Dafür mehr ums Aussehen. Spielerin Birgit Prinz und Trainerin Silvia Neid gibt es bereits als Barbie: Spindeldürr und sportlich sehen ihre Abbilder aus Plastik aus. Die Frage, die sich stellt: Warum der Ruhm nicht als Fußball-Talent, sondern nur als Fußball-Barbie kommt? Habt ihr eine Antwort?
Kathrin Schmitt, SÜDKURIER-Volontärin
Ich bin ein Macho. Für eine Frau mag das ein ungewöhnliches Statement sein. Aber immer wenn das Gespräch in letzter Zeit auf Frauenfußball kommt, spielt sich das gleiche Szenario ab. Frauen, die sich eigentlich nicht für Fußball interessieren, beschweren sich darüber, dass ihre Freunde/Ehemänner sich nicht für Frauenfußball interessieren. Die Spiele seien langweilig, sagen die Männer. Das Tempo nicht schnell genug. Allein das technische Niveau…
Mittlerweile höre ich zu und schweige. Alles andere führt zu einer ausufernden Diskussion darüber, warum man sich ausgerechnet als Frau für Frauenfußball interessieren sollte. Zu gestehen, dass ich beim letzten ARD-„Tatort“ heimlich gekichert habe, als Kommissar Kopper sinngemäß sagte: „Warum soll ich mir das anschauen? Ich sehe jeden Tag genug Leid und Elend“ macht alles nur noch schlimmer.
Ich bin kein Fußballexperte – höchstens einer von 80 Millionen. Aber ja, ich bin ein Macho. Ich will Blutgrätschen sehen, Schweiß und Tränen. Vorwärts-Fußball, steile Torvorlagen, einen Messi, der sich durch das Bollwerk der Abwehr schlängelt und den Ball dann butterweich in der Torecke platziert.
Zugegeben, als Stuttgart-Fan erlebt man solche Momente nicht oft. Vermutlich wird das Vorrunden-Spiel zwischen Norwegen und Äquatorial-Guinea mehr Highlights für die „Sportschau“ abwerfen als die gesamte Bundesliga-Hinrunde des VfB. Und das weibliche WM-Endspiel vor vier Jahren zwischen Deutschland und Brasilien war auch spannender als die männliche Ausgabe zwischen Frankreich und Italien 2006.
Vielleicht gebe ich dem Frauenfußball also trotzdem eine Chance. Immerhin ist es wieder eine WM im eigenen Lande. Immerhin haben die Mädels eine realistische Chance, das nachzuholen, was die Jungs knapp verpasst haben: den Titel zu Hause zu holen. Public Viewing, Sonne, und ein bisschen Sommermärchen-Nostalgie klingt als Programm doch gar nicht schlecht. Und irgendwie muss die Bundesliga-Pause ja auch überbrückt werden…
Uli Stamm, Online-Redakteurin


